Curriculare Lehre

Die Klinik für Anästhesiologie ist tief in die studentische Lehre der Medizinischen Fakultät integriert. Im Rahmen der modularen Lehre findet sich unsere Zentrum in verschiedensten Unterrichtseinheiten wieder. Eine herausragende Position im Rahmen der studentischen Lehre hat die Einbeziehung des Lehr und- Simulationszentrums für Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie. Im Folgenden werden die einzelnen Unterrichtsbereiche vorgestellt.

Bei Rückfragen: Dr. med. Katrin Schwerdtfeger und Prof. Dr. med. Sebastian G. Russo

 

Modul 1.1: Ärztliche Basisfertigkeiten und Grundkenntnisse

Der Kurs "Akute Notfälle und erste ärztliche Hilfe" ist Teil des Moduls 1.1 im 1. klinischen Semester. Notfallmediziner unseres Zentrums vermitteln in Kleingruppen an drei aufeinander aufbauenden Terminen ärztliche Basisfähigkeiten in der Notfallversorgung. Nach Abschluss des Notfallpraktikums ist jeder Teilnehmer in der Lage eine strukturierte Untersuchung eines Notfallpatienten durchzuführen, einen Kreislaufstillstand zu erkennen und den Notruf abzusetzen, die Basismaßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation effizient durchzuführen sowie einen halbautomatischen Defibrillator und einfache Hilfsmittel der Atemwegsicherung dabei zu verwenden. Diese Fertigkeiten werden an jedem Kurstag anhand von Notfallszenarien im Simulationszentrum geübt. Das Modul wird mit einer praktischen Prüfung im Sinne einer Objective structured clinical examination (OSCE) am Ende des Folgesemesters beendet. 10% der für den Querschnittsbereich „Notfall- und Intensivmedizin“ notwendigen Leistungspunkte werden in diesem Modul durch die Studierenden erworben.

Organisatoren von Seiten der Klinik für Anästhesiologie: Dr. med. Hanna Schotola, Priv.-Doz. Dr. med. Jörn Schäper

 

Modul 3.1: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge

Notfall- und Intensivmediziner unserer Abteilung beteiligen sich am Modul 3.1 (drittes klinisches Semester). Im Rahmen von moderierten Seminaren werden notfall- und intensivmedizinisch relevante Fallbeispiele (z.B. Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Lungenembolie, COPD) besprochen.

Organisatoren von Seiten der Klinik für Anästhesiologie: Priv.-Doz. Dr. Ivo Brandes, Priv.-Doz. Dr. med. Daniel Heise

 

Modul 6.2: Notfall- und Intensivbehandlung

Im Modul 6.2 (sechstes klinisches Semester, vor dem Praktischen Jahr) werden die Inhalte der Bereiche Anästhesie (F2), Notfall- und Intensivtherapie (Q8), Schmerztherapie (Q14) und Palliativmedizin (Q13) koordiniert durch die Klinik für Anästhesiologie vermittelt.

Über einen Zeitraum von 3 Wochen werden den Studierenden eines Semesters in Kleingruppen von maximal acht Personen insgesamt zehn Praktika zu den folgenden Themengebieten angeboten:

  • Basismaßnahmen der Reanimation
  • Atemwegmanagement
  • Rhythmusdiagnostik und Defibrillation
  • Reanimationsszenarien („Cardiac Arrest Scenario Teaching, CAST“)
  • UaK auf der Intensivstation zum Thema hämodynamisches Monitoring und Katecholamintherapie
  • Strukturierte Versorgung eines Traumapatienten (unter Verwendung des Patientensimulators SimMan®, Laerdal Medical, Norwegen)
  • Notfallversorgung eines kritisch kranken Kindes (unter Verwendung des pädiatrischen Simulators SimBaby®, Laerdal Medical, Norwegen)
  • Narkoseeinleitung (unter Verwendung des Patientensimulators SimMan®, Laerdal Medical, Norwegen)
  • Prämedikationsvisite
  • Basismonitoring, Narkoseeinleitung und Atemwegsmanagement an Patienten im OP

 

Flankiert werden diese Unterrichtseinheiten sowohl durch Vorlesungen als auch durch vier Seminare zu folgenden Themen:

  • Fallvorstellung aus dem notfallmedizinischen Alltag: Wie hätten Sie entschieden?
  • Beatmung auf der Intensivstation und Interpretation von Blut-Gas-Analysen
  • Schmerzmedizin: Anamnese
  • Schmerzmedizin: Untersuchung

 

Am Ende des Moduls kennen die Studierenden die Unterschiede zwischen verschiedenen Narkoseformen und sind in der Lage die Einleitung einer Allgemeinanästhesie mit Anlage des Monitorings und Auswahl der Medikamente vorzubereiten. Sie sind in der Lage eine Notfallsituation zu erkennen und in ihrer Rolle als angehende Ärztinnen und Ärzte eine adäquate Behandlung zu beginnen. Ziel der schmerzmedizinischen Lehrinhalte (als Teil des neuen Q14 Schmerzmedizin) ist die Vermittlung von Kompetenz in der Diagnostik von akuten und chronischen Schmerzen und von Kenntnissen über einfache Algorithmen bzw. Interventionen in der Behandlung.  Weiterhin werden die Studierenden palliativmedizinisch relevante klinische Situationen erkennen, problembezogene Lösungen und Hilfestellungen benennen sowie ethische Aspekte und Schnittstellenprobleme mit anderen akutmedizinischen Bereichen erfassen können (Q13).

In diesem Modul werden 90% des Leistungsnachweises für den Querschnittsbereich Notfall- und Intensivbehandlung erworben. Modulkoordination: Prof. Dr. med. Sebastian Russo

Organisatoren von Seiten der Klinik für Anästhesiologie: Dr. med. Katrin Schwerdtfeger, Daniel Stein

 

Schmerztagesklinik und -ambulanz

Die Schmerztherapeutischen Kollegen der Klinik für Anästhesiologie sind über das gesamte Studium in die studentische Ausbildung involviert. Mit dem WS 2014 ist ein neues Querschnittmodul (Q14 Schmerzmedizin) eingeführt, so dass für Studierende, die ab diesem Zeitpunkt den klinischen Studienabschnitt begonnen haben, Schmerzmedizin ein verpflichtender Bestandteil der Lehre und somit auch prüfungsrelevant ist. Allerdings wird die Prüfung zentral im 6. Semester im Rahmen des Modul 6.2 durchgeführt werden, also erstmalig im SS 2016 (für die Studierenden, die ihren klinischen Studienabschnitt im WS 2014 begonnen haben). Hier ist eine Prüfung aus MC-Fragen mit OSCE geplant.

Die Lehrinhalte orientieren sich am Kerncurriculum Schmerzmedizin für das Querschnittfach 14 nach der neuen ärztlichen Approbationsordnung, das durch die Ad-hoc-Kommission „Studienordnungen“ der Deutschen Schmerzgesellschaft erarbeitet wurde (2013). Das Kerncurriculum ist auf der Webseite der Deutschen Schmerzgesellschaft verfügbar (http://www.dgss.org/kerncurriculum/) und kann auch als „vorläufiger“ Lernzielkatalog von Studierenden genutzt werden. Neben Veranstaltungen aus der Klinik für Anästhesiologie werden schmerzmedizinische Themen natürlich auch in anderen Fachbereichen gelehrt. Die beigefügte Abbildung gibt einen Überblick über die Kernveranstaltungen zur Schmerzmedizin im Modularen Lehrangebot an der UMG.

Zusätzlich wird für eine kleine Studentengruppe jedes Semester ein Wahlfach Schmerzmedizin angeboten, in dem die für alle verbindlichen Lehrinhalte vertiefend und an Patientenbeispielen interaktiv dargeboten werden. 

Organisator von Seiten der Klinik für Anästhesiologie (Beauftragter des Studiendekanats für die Umsetzung von Q14): Prof. Dr. med. Frank Petzke

 

Palliativmedizin

Mit Entscheidung des Bundestages vom 10.07.2009 wurde das Fach Palliativmedizin als 13. Querschnittsfach (Q13) in der ärztlichen Approbationsordnung verankert. Nach diesem Beschluss müssen ab dem Sommersemester 2013 alle medizinischen Fakultäten das Fach Palliativmedizin als Pflichtlehr- und Prüfungsfach anbieten. Die Leistungsnachweise müssen spätestens bei der Meldung zur Zweiten Ärztlichen Prüfung im Oktober 2014 vorgelegt werden. Seit der Stiftung des Lehrstuhls Palliativmedizin an der UMG im Jahre 2006 konnte das Lehrangebot im Fach Palliativmedizin erheblich erweitert werden und dank der Unterstützung und Kooperation anderer Fachbereiche teilweise in das Pflichtcurriculum aufgenommen werden. Entsprechend der Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin bestehen in der palliativmedizinischen Lehre folgende Schwerpunkte:

  • Grundlagen der Palliativmedizin
  • Behandlung von belastenden Symptomen
  • Psychosoziale Aspekte
  • Ethische und rechtliche Fragestellungen
  • Kommunikation, Teamarbeit und Selbstreflexion

Diese sind über den klinischen Studienabschnitt verteilt und finden sich aktuell in Form von Seminaren und Vorlesungen in den Modulen 3.3, 6.2 und 6.3 wieder. Insgesamt umfasst das Querschnittsfach Palliativmedizin 13 verpflichtende Lehrveranstaltungsstunden (LVS), die in der M6.3-Klausur als auch im M6.2-OSCE abgeprüft werden. Das zur Prüfungsvorbereitung hilfreiche Skript ist auf StudIP hinterlegt. Zusätzlich zu den 13 LVS bleiben die bereits etablierten Berührungspunkte mit weiteren Lehrveranstaltungen anderer Fachbereiche (z.B. Medizinische Psychologie / Soziologie,  Schmerztherapie) und die weiteren fakultativen palliativmedizinischen Lehrveranstaltungen (z.B. Wahlpflichtfach „Palliativmedizin“) im Sinne des Querschnittscharakters bestehen, ebenso wie die seit ca. vier Jahren bestehende Möglichkeit eines PJ-Wahltertials in der Palliativmedizin sowie der wochenweisen Rotation auf die Palliativstation im Rahmen eines Anästhesie-Wahltertials.

Organisatoren von Seiten der Klinik für Palliativmedizin: Priv.-Doz. Dr. Bernd Alt-Epping und Prof. Dr. Friedemann Nauck

 

Famulaturen und Praktisches Jahr

Insgesamt sind pro Tertial fünf Studierende an der Klinik für Anästhesiologie willkommen. Alle „PJler“ haben im Zentral-OP die Möglichkeit, alle modernen Anästhesieverfahren (Vollnarkose, Rückenmarknahe Verfahren, Regionalanästhesie) zu erleben und ggf. selbst durchzuführen. Darüber hinaus ist eine feste Rotation auf unsere Intensivstationen eingeplant. Hier sind die PJler aktiv in die Patientenversorgung eingebunden. Es besteht die Möglichkeit, die Schmerzambulanz, die Pallativmedizin als auch die Notfallmedizin zu besuchen.

Organisatoren von Seiten der Klinik für Anästhesiologie:
Prof. Dr. med. Anselm Bräuer
Per E-Mail kontaktieren E-Mail

 

 

Literatur

Als Unterrichtsvorbereitung empfehlen wir die Lektüre der Leitlinien des ERC zur Reanimation 2015 (in Deutsch), hier insbesondere:

  • Kapitel 02 - Basismaßnahmen zur Wiederbelebung Erwachsener
  • Kapitel 03 - Erweiterte Reanimationsmaßnahmen für Erwachsene

Kostenfreier Download unter: http://www.grc-org.de/leitlinien2015