Akutschmerztherapie in deutschen Krankenhäusern als Wettbewerbsfaktor

Liste aller Autoren: 
Erlenwein J, Hinz J, Meißner W, Stamer U, Bauer M, F. Petzke
Zeitschrift: 
Schmerz. 2015 Jul;29(3):266-75

Hintergrund und Fragestellung

Im Rahmen der Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) nahm der Wettbewerbsdruck für deutsche Krankenhäuser zu. In diesem Zusammenhang konnte gezeigt werden, dass die Akutschmerztherapie ökonomische Vorteile für die Krankenhäuser hat. Ziel dieser Untersuchung war es, darzustellen, inwieweit Strukturen und Prozesse der Akutschmerztherapie von der Wettbewerbssituation, der Trägerschaft und der Fallschwere beeinflusst werden.

Material und Methoden

Anhand eines standardisierten Fragebogens wurden 885 bei der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) gemeldete Chefärzte zu Strukturen und Prozessen der Akutschmerztherapie in ihren Kliniken, deren Wettbewerbssituation, der Trägerschaft und der durchschnittlichen Fallschwere [Case Mix Index (CMI)] befragt.

Ergebnisse

Für die meisten Krankenhäuser lag eine ausgeprägte regionale Wettbewerbssituation vor. Der untersuchte Parameter Wettbewerb beeinflusste jedoch weder die Implementierung von Strukturen noch die Implementierung von empfohlenen Therapieprozessen der Schmerztherapie. Dagegen zeigte sich eine deutliche Präferenz von Kliniken privater Trägerschaft für ein Benchmarking mit der „Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“ (QUIPS). Private Klinikträger stellten häufiger den Umgang mit Schmerz im Klinikleitbild dar und veröffentlichten häufiger Informationen zur Versorgungsqualität der Akutschmerztherapie im Qualitätsbericht. Keine Unterschiede lagen zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher Trägerschaft in der Implementierung von Akutschmerzdiensten, Qualitätszirkeln und des Expertenstandards Schmerzmanagement sowie in der Umsetzung von Therapieprozessen vor.

Krankenhäuser mit höherer Fallschwere hatten häufiger ein zertifiziertes Schmerzmanagement. Häufiger angegeben wurden auch Inhalte zum Umgang mit Schmerzen im Leitbild, die Darstellung der Qualität der Schmerzversorgung im Qualitätsbericht, die Implementierung von Qualitätszirkeln und die Implementierung des Expertenstandards Schmerzmanagement in der Pflege. Es konnten keine Unterschiede in der Häufigkeit der Teilnahme an QUIPS bzw. in der regelmäßigen Umsetzung von entsprechenden Therapieprozessen in Bezug zur Fallschwere dargestellt werden.

Diskussion

In dieser Untersuchung konnte kein Einfluss der Wettbewerbssituation auf die Praxis der Akutschmerztherapie dargestellt werden. Eine private Trägerschaft oder höhere Fallschwere war häufiger mit Strukturen assoziiert, die auch im Sinne eines Klinikmarketings nach außen darstellbar sind.

 

Impactfaktor: 
1.017
AnhangGröße
PDF icon Wettbewerb.pdf274.99 KB