Behandlungsstandards in der postoperativen Akutschmerztherapie

Liste aller Autoren: 
Erlenwein J, Emons MI, Hecke A, Nestler N, Wirz S, Bauer M, Meißner W, Petzke F
Zeitschrift: 
Anaesthesist. 2015 Mar;64(3):218-26

Ziel der Arbeit: Ziel ist es, standardisierte Konzepte zur Akutschmerztherapie inhaltlich darzustellen, zu typisieren und den bisher unscharfen Begriff der Behandlungsstandards in der Akutschmerztherapie einzugrenzen.

Methode: Die Behandlungsstandards zur Akutschmerztherapie aus 68 Krankenhäusern wurden in Bezug auf Prozessgestaltung, Basis- und Bedarfsmedikation und Sicherheitsaspekte ausgewertet.

Ergebnisse: Ein Behandlungsstandard pro Krankenhaus getrennt nach Erwachsenen (68 Standards) und Kindern (27 Standards) wurde ausgewertet. Eine Basismedikation war für alle Erwachsenen und in 89% der Standards für Kinder vorgesehen. 68% aller 95 Standards sahen die Kombination von Opioiden und Nichtopioiden als Basis vor (78% für Erwachsene, 42% für Kinder). Die bedarfsgerechte Anpassung der Basismedikation wurde für Erwachsene deutlich häufiger beschrieben.

91% der Behandlungsstandards für Erwachsene (85% Kinder) enthielten Vorgaben zur Bedarfsmedikation. Ein nicht-retardiertes Opioid stand in der Hälfte der Standards für Erwachsene und Kinder jederzeit zur Gabe zur Verfügung, in weiteren 29% für Erwachsene nur in Abhängigkeit von der bereits erreichten Eskalationsstufe bzw. des Zeitpunktes im Ablaufschema (8% Kinder). Die Wiederholung der Bedarfsmedikation war grundsätzlich in  63% der Standards für die Erwachsenen (54% für Kinder) möglich, innerhalb 1 Stunde aber nur in 43% (30% für Kinder). Interventionsgrenzen zur Gabe der Bedarfsmedikation fanden sich in 63% der Erwachsenen- Standards (Kinder 54%). Eine Effektivitätskontrolle nach verabreichter Bedarfsmedikation war nur etwa in der Hälfte aller Standards vorgesehen, Sicherheitshinweise bzw. -mechanismen fanden sich nur selten.

Schlussfolgerung: Es bestand eine große inhaltliche Heterogenität in der Verfügbarkeit von Bedarfs- und Basismedikation. Sicherheitsaspekte fehlten in vielen Fällen. Dies spiegelt wider, dass trotz Forderung der S-3-Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ nach Behandlungskonzepten bisher keine Empfehlungen zu Inhalt und Aufbau dieser Konzepte vorliegen.

Impactfaktor: 
0.743