Fehler in der Medizin - Ursachen, Auswirkungen und Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit

Liste aller Autoren: 
Waeschle RM, Bauer M, Schmidt CE
Zeitschrift: 
Anaesthesist

Der Gewährleitung von Versorgungsqualität und Patientensicherheit kommt bei steigendem ökonomischen Druck und zunehmender Leistungsverdichtung besondere Bedeutung in den Krankenhäusern zu. Nichtsdestotrotz sind in 3–4 % der stationären Krankenhausaufenthalte behandlungsbedingte Gesundheitsschäden zu erwarten, wovon 25–50 % als vermeidbar eingeschätzt werden. Die Erkennung möglicher Fehlerursachen und die Entwicklung von Maßnahmen zur Fehlervermeidung sind für die Patientensicherheit entscheidend. Grundlegend dafür ist die Einführung bzw. Weiterentwicklung einer konstruktiven Fehlerkultur. Bei der Fehlerentstehung werden systemische, latente und individuelle, aktive Ursachen unterschieden. Typischerweise sind beide Komponenten beteiligt. Zu den systemischen Ursachen gehören z. B. veraltete bauliche Strukturen, fehlende klinische Standards und geringe Personaldichte. Sie entstehen fernab vom Patienten z. B. durch Managemententscheidungen. Sie können über lange Zeit unerkannt bestehen. Individuelle Ursachen sind u. a. Bestätigungs-, Fixierungs- und Prospective-Memory-Fehler. Diese wirken sich direkt auf die Patientenversorgung aus und können unmittelbar zu einer Schädigung führen. Das Auftreten dieser Fehler wird beispielsweise durch Stress, unklare Informationen, komplexe Systeme und geringe Berufserfahrung begünstigt. Die Kenntnis möglicher Fehlerursachen ist grundlegende Voraussetzung, um entsprechende Gegenmaßnahmen etablieren zu können. Zur Fehlervermeidung eignen sich Maßnahmen, die die beschriebenen Ursachen möglichst direkt beeinflussen. Dazu gehören Checklisten und Standard Operating Procedures (SOP) zur Vermeidung von Fixierungs- und Prospective-Memory-Fehlern sowie Teamtraining bzw. Crew Resource Management zur Verbesserung der Kommunikation und der Bildung gemeinsamer mentaler Modelle im Team. Meldesysteme (Critical Incident Reporting Systems, CIRS) bieten die Möglichkeit, aus Vorfällen ohne resultierenden Patientenschaden zu lernen. Informationstechnologische (IT)-Unterstützungssysteme (wie Arzneimitteltherapiesicherheit- bzw. Arzneimitteltherapieinformationssysteme und Computerized-Physician-Order-Entry-Systeme) helfen, Medikationsfehler zu vermeiden, indem u. a. Informationen zu Standarddosierungen, Wechsel- und Nebenwirkungen sowie zu Kontraindikationen zur Verfügung gestellt werden. Die wesentlichen Aufgaben des Qualitäts- und klinischen Risikomanagements, der klinischen Leitungsebene und der Geschäftsführung bestehen in der Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen bzw. deren Unterstützung und in der nachhaltigen Führung der Mitarbeiter durch die notwendigen Veränderungsprozesse. Zur Verbesserung der Transparenz und zur Objektivierung der Häufigkeit von Fehlern eignet sich das global Trigger Tool.

Impactfaktor: 
0.757