Mythos OP-Minute. Leitfaden zur Kalkulation von DRG-Erlösen pro Op-Minute

Liste aller Autoren: 
Waeschle RM, Hinz J, Bleeker F, Sliwa B, Popov A, Schmidt CE, Bauer M
Zeitschrift: 
Anaesthesist. 2016 Feb;65(2):137-47

Die wirtschaftliche Situation in deutschen Krankenhäusern ist angespannt und erfordert differenzierte Steuerungsinstrumente. Dazu gehören Kennzahlen zur Erlösentwicklung der verschiedenen Organisationseinheiten eines Krankenhauses. Der OP als Hocherlös- und Hochkostenbereich ist davon besonders betroffen. Bisher gibt es allerdings kaum etablierte leistungsbezogene Daten zur unterjährigen Erlössteuerung. Die nachfolgenden Ausführungen beschreiben eine valide Methode zur DRG-konformen Kalkulation von fallbezogenen Erlösen pro Op-Minute.

Zur Ermittlung der Erlöse pro Op-Minute wurden die relevanten Datensätze aus dem OP-Informationssystem (Stamm- und Prozessdaten) und aus dem § 21-Leistungsdatensatz (DRG-Gruppierung) der Universitätsmedizin Göttingen miteinander verknüpft. Nachfolgend wurden die Erlöse, die im DRG-Browser des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hinterlegt sind, den korrespondierenden Prozesszeiten (Schnitt-Naht-Zeit (SNZ), operative Rüstzeit und Anästhesiologiezeit) entsprechend der InEK-Systematik zugeordnet. Alle vollstationären, im OP versorgten DRG-Fälle wurden berücksichtigt und nach Fachabteilungen differenziert. Da die Erlöse für die Organisationseinheit OP dargestellt werden sollten, wurden für die Auswertungen die Kostenstellen „OP-Bereich“ und „Anästhesie“ der InEK-Matrix isoliert. Es wurden SNZ-Cluster und Kostenartengruppen gebildet, um deren Einfluss auf die Erlöse pro Op-Minute zu analysieren. Durch die Gegenüberstellung der Erlöse für den ärztlichen Dienst von Chirurgen und Anästhesisten wurde ein kalkulatorischer chirurgischer Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF) gebildet, der den maximalen, DRG-finanzierten Personaleinsatz für den chirurgischen ärztlichen Dienst widerspiegelt.

Der Erlös pro Op-Minute über alle Kostenarten und DRG betrug 16,63 €/min. Dabei schwankten die Erlöse in Abhängigkeit von der betrachteten Fachabteilung von 10,45 bis 24,34 €/min. Bei der Unterscheidung der SNZ-Cluster fanden sich stabile Erlöse pro Op-Minute. Bei Differenzierung nach Kostenartengruppen zeigte sich eine deutliche Reduktion der Erlöse pro Op-Minute insbesondere bei Ausschluss der Erlösanteile für Implantate und Infrastruktur. Der kalkulatorische GZF betrug über alle chirurgische Fachabteilungen 2,2 (1,9–3,6) und kann bei Berechnung auf DRG-Ebene wirtschaftlich relevante Hinweise für den fallbezogenen Personaleinsatz generieren.

Die Erlöse pro Op-Minute werden mit dieser Arbeit erstmalig DRG-konform beschrieben. Es zeigt sich eine deutliche Abhängigkeit von den berücksichtigten Kostenarten und der erbringenden Fachabteilung. Repetitive Analysen sind aufgrund bislang fehlender Referenzwerte sinnvoll und können als Verlaufskontrolle für Maßnahmen der Prozessoptimierung dienen. Vergleichende Auswertungen zwischen Fachabteilungen erscheinen auf dieser Datenbasis nicht sinnvoll. Die angewendete Methodik kann anderen Krankenhäusern als Leitfaden zur Kalkulation der DRG-Erlöse im OP dienen und so weiterführende Wirtschaftlichkeitsanalysen, insbesondere einen Abgleich dieser Erlöse mit den hausinternen Kostendaten aus der Kostenträgerrechnung auf DRG- bzw. Fallebene, ermöglichen.

Schlüsselwörter
OP-Management Produktivität OP Steuerung Diagnosis-Related Groups
OR minute myth

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