Opioide bei chronischem Arthroseschmerz

Liste aller Autoren: 
Schaefert R, Welsch P, Klose P, Sommer C, Petzke F, Häuser W.
Zeitschrift: 
Schmerz. 2015 Feb;29(1):47-59

Hintergrund

Die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit der Opioidtherapie bei chronischem Arthroseschmerz ist umstritten. In der vorliegenden Publikation wird ein systematisches Cochrane-Review zur Wirksamkeit und Sicherheit von Opioiden bei chronischem Arthroseschmerz aus dem Jahr 2008 aktualisiert.

Methoden

Bis Oktober 2013 wurden MEDLINE, Scopus und Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL) wie auch die Literaturverzeichnisse von Originalarbeiten und systematischen Übersichtsbeiträgen zu randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) mit Opioiden bei chronischem Arthroseschmerz durchsucht. Einschluss fanden doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studien mit einer Dauer von ≥4 Wochen. Mithilfe eines Random-effects-Modells wurde für kategoriale Daten die absolute Risikoreduktion (RD) und für kontinuierliche Variablen die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) berechnet.

Ergebnisse

Eingeschlossen wurden 20 RCT mit 33 Behandlungsarmen und 8545 Teilnehmern. Die Studiendauer betrug im Median 12 Wochen (4–24 Wochen). Oxycodon und Tramadol wurden jeweils in 6 Studien untersucht, Buprenorphin, Hydromorphon, Morphin und Tapentadol jeweils in 2 Studien, Codein, Fentanyl und Oxymorphon jeweils in einer. Die Ergebnisse werden mit 95 %-Konfidenzintervallen (KI) angegeben. Opioide waren Placebo in der Reduktion der Schmerzintensität überlegen: SMD: − 0,22 (− 0,28; − 0,17); p < 0,00001; 16 Studien mit 6743 Teilnehmern. Opioide waren Placebo bezüglich der 50 %igen Schmerzreduktion nicht überlegen: RD: − 0,00 (− 0,07; 0,07); p = 0,96; 2 Studien mit 2684 Teilnehmern. In der von den Patienten berichteten starken oder sehr starken allgemeinen Besserung waren Opioide Placebo überlegen: RD 0,13 (0,05; 0,21); p = 0,002; 3 Studien mit 2251 Teilnehmern. In der Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit zeigten Opioide eine Überlegenheit gegenüber Placebo: SMD: − 0,22 (− 0,28; − 0,17); p < 0,00001; 14 Studien mit 5887 Teilnehmern. Unter Opioiden brachen die Patienten die Behandlung häufiger ab als unter Placebo: RD: 0,17 (0,14; 0,21); p < 0,00001; 15 Studien mit 6834 Teilnehmern; „number needed to harm“: 5 (4–6). Hinsichtlich der Häufigkeit schwerer unerwünschter Ereignisse oder Todesfälle in den jeweiligen Beobachtungsphasen fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen Opioiden und Placebo.

Schlussfolgerungen

Opioide waren Placebo in der Wirksamkeit überlegen, in ihrer Verträglichkeit aber unterlegen. Die Effektgrößen der durchschnittlichen Reduktion der Schmerzintensität und körperlichen Beeinträchtigung waren klein. Hinsichtlich der Sicherheit ergab sich kein Unterschied zwischen Opioiden und Placebo. Die Schlussfolgerung zur Sicherheit von Opioiden im Vergleich zu Placebo wird durch die geringe Zahl schwerer unerwünschter Ereignisse und Todesfälle eingeschränkt. Bei ausgewählten Patienten mit chronischem Arthroseschmerz kann eine Kurzzeittherapie mit Opioiden in Betracht gezogen werden. Keine aktuelle evidenzbasierte Leitlinie empfiehlt Opioide als Option zur Erstlinientherapie von chronischem Arthroseschmerz. Für die Schaffung einer besseren Datenlage für zukünftige Behandlungsleitlinien müssen existierende medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien in RCT direkt verglichen und in verschiedenen Kombinationen sowie Abfolgen angewendet werden.

Schlüsselwörter

Arthrose Chronischer Schmerz Systematische Übersichtsarbeit Metaanalyse Wirksamkeit

 

Impactfaktor: 
1.017