Opioide bei chronischem Kreuzschmerz

Liste aller Autoren: 
Petzke F, Welsch P, Klose P, Schaefert R, Sommer C, Häuser W.
Zeitschrift: 
Schmerz. 2015 Feb;29(1):60-72

Hintergrund

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Opioidtherapie bei chronischen neuropathischen Schmerzen (CNS) ist umstritten. In der vorliegenden Publikation wird ein kürzlich erschienenes systematisches Cochrane-Review zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Opioiden bei CNS aktualisiert.

Methoden

Bis Oktober 2013 wurden MEDLINE, Scopus und Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL) wie auch die Literaturverzeichnisse von Originalarbeiten und systematischen Übersichtsbeiträgen zu randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) mit Opioiden bei CNS durchsucht. Einschluss fanden doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studien mit einer Dauer von mindestens 4 Wochen. Mithilfe eines Random-effects-Modells wurde für kategoriale Daten die absolute Risikoreduktion (RD) und für kontinuierliche Variablen die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) berechnet.

Ergebnisse

Insgesamt 12 RCT mit 1192 Teilnehmern wurden eingeschlossen. Als diagnostische Entitäten wurden berücksichtigt: schmerzhafte diabetische Neuropathie (4 Studien), Postzosterneuralgie (3 Studien), Mischformen von polyneuropathischen Schmerzen (2 Studien) sowie lumbale Radikulopathie, Schmerz nach Rückenmarkverletzungen und Postamputationsschmerz (jeweils eine Studie). Die mittlere Studiendauer betrug 6 Wochen (Spannweite: 4–12 Wochen). In 4 Studien wurde Morphin getestet, in 3 Tramadol, in 2 Oxycodon und in einer Tapentadol. Im Folgenden sind die gepoolten Ergebnisse von Studien mit parallelem oder Cross-over-Design aufgeführt: Opioide waren Placebo in der Reduktion der Schmerzintensität überlegen: SMD: − 0,64 [95 %-Konfidenzintervall (KI): − 0,81; − 0,46]; p < 0,0001; 11 Studien mit 1040 Teilnehmern. Opioide waren Placebo bezüglich der 50 %igen Schmerzreduktion nicht überlegen: RD: 0,16 (95 %-KI: − 0,04; 0,35); p = 0,11; eine Studie mit 93 Teilnehmern. In der von den Patienten berichteten starken oder sehr starken Besserung waren Opioide Placebo nicht überlegen: RD: 0,17 (95 %-KI: − 0,01; 0,36); p = 0,07; eine Studie mit 53 Teilnehmern. In der Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit zeigten Opioide eine Überlegenheit gegenüber Placebo: SMD: − 0,28 (95 %-KI: − 0,43; − 0,13); p < 0,0001; 7 Studien mit 680 Teilnehmern. Unter Opioiden brachen die Patienten die Behandlung seltener wegen fehlender Wirksamkeit ab als unter Placebo: RD: − 0,07 (95 %-KI: − 0,13; − 0,02); p = 0,008; 6 Studien mit 656 Teilnehmern. Wegen unerwünschter Ereignisse brachen sie die Behandlung dagegen häufiger unter Opioiden als unter Placebo ab: RD: 0,08 (95 %-KI: 0,05; 0,12); p < 0,0001; 10 Studien mit 1018 Teilnehmern; „number needed to harm“: 11 (95 %-KI: 8; 17). Hinsichtlich der Häufigkeit schwerer unerwünschter Ereignisse oder Todesfälle fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen Opioiden und Placebo.

Schlussfolgerungen

In Kurzzeitstudien (4–12 Wochen) bei CNS waren Opioide Placebo in der Wirksamkeit überlegen, in ihrer Verträglichkeit aber unterlegen. Hinsichtlich der Sicherheit ergab sich kein Unterschied. Die Aussage zur Sicherheit von Opioiden bei CNS im Vergleich zu Placebo wird durch die geringe Zahl schwerer unerwünschter Ereignisse und Todesfälle eingeschränkt. Bei ausgewählten Patienten kann eine Kurzzeittherapie mit Opioiden in Betracht gezogen werden.

Schlüsselwörter

Neuropathischer Schmerz Opioide Systematische Übersichtsarbeit Metaanalyse Leitlinien

 

Impactfaktor: 
1.017