Versorgungsforschung zu Schmerz in Deutschland

Liste aller Autoren: 
Häuser W, Neugebauer E, Petzke F.
Zeitschrift: 
Schmerz. 2015 Oct;29(5):469-78

In den letzten zehn Jahren hat sich die Versorgungsforschung in Deutschland zu einem eigenständigen transdisziplinären Forschungsgebiet entwickelt. Für diese Übersicht wurde eine selektive Literatursuche in Google Scholar und der Datenbank Versorgungsforschung Deutschland (http://​versorgungsforsc​hung-deutschland.​de) nach Versorgungsforschungsprojekten zum Thema Schmerz in Deutschland durchgeführt. Versorgungsforschungsprojekte wurden von der pharmazeutischen Industrie, Patientenselbsthilfeorganisationen, wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Krankenkassen sowie universitären Einrichtungen zum Akutschmerz und chronischen Schmerz durchgeführt. Verlässliche Daten zur Epidemiologie des chronischen Schmerzes, seiner Schweregrade und seiner Versorgung sowie zur Patientenzufriedenheit liegen vor. Eine Fehlversorgung mit Opioiden und invasiven Verfahren bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, Fibromyalgiesyndrom und somatoformer Schmerzstörung wurde festgestellt.

Datenbanken für Patienten mit chronischen Schmerzen werden zurzeit von schmerzmedizinischen Fachgesellschaften eingerichtet. Die Fragmentierung der Daten (Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, klinische Einrichtungen, Bevölkerungsbefragungen) und die uneinheitliche Codierung bzw. Diagnostik chronischer Schmerzen erschweren die Durchführung von aussagekräftigen Längsschnittstudien.

Der Versorgungsbedarf von Patienten mit chronischen Schmerzen kann aus den bisher vorliegenden Daten nicht abgeleitet werden, ebenso wenig die notwendigen Versorgungsstrukturen. Wichtige Themen der zukünftigen Versorgungsforschung in Bezug auf Schmerz sind Längsschnittuntersuchungen zur Überprüfung von Kosteneffektivität und Risiken aller Verfahren der ambulanten und stationären Schmerztherapie anhand von Routinedaten der Krankenkassen, Rentenversicherungsträger und Schmerzregister, Längsschnittuntersuchungen zur Abbildung von „Patientenkarrieren“ (Behandlungsabfolgen) und die Identifikation von möglichen Ansatzpunkten der Versorgungssteuerung.

Impactfaktor: 
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