ECMO-Zentrum-Göttingen

 

Kontakt für Anfragen zur Übernahme / Verlegung von Patienten:

ECMO-Team-Göttingen: 0551 – 39 66045

 

Hintergrund

Patienten mit besonders schweren Verläufen des akuten Lungenversagens (ARDS) können bei gegebener Indikation an unserem Zentrum mit dem veno-venösen ECMO-Verfahren therapiert werden  (ECMO = extrakorporale Membranoxygenierung). Der größte Teil unserer ECMO-Patienten wird uns aus Kliniken innerhalb eines weiten Einzugsbereiches zuverlegt; in den meisten dieser Fälle erfolgt die Kanülierung und Inbetriebnahme einer mobilen ECMO durch unser besonders ausgerüstetes und geschultes Team bereits im verlegenden Krankenhaus.
 
 
Funktionsweise der ECMO

Für den Betrieb der veno-venösen ECMO werden zwei großlumige Kanülen (21F - 25F) in die obere und untere Hohlvene eingebracht (meist über die vena femoralis und vena jugularis interna). Über die femorale Kanüle wird venöses Blut mittels einer Zentrifugalpumpe drainiert, anschließend in einem Membranoxygenator oxygeniert und dekarboxyliert, und schließlich über die jugulare Kanüle wieder retransfundiert. Die Lunge wird dadurch bereits mit "arterialisiertem" Blut durchflossen. Bei optimaler Kanülenlage und einem Blutfluss in der Größenordnung des HZV erfolgt die Oxygenierung und Dekarboxylierung des Patienten vollständig über die ECMO, so dass eine Ventilation der Lunge nicht mehr erforderlich ist.

 

Indikation für die ECMO-Therapie

Der Einsatz einer veno-venösen ECMO ist bei schweren Verlaufsformen des ARDS indiziert, wenn trotz Ausschöpfung der mechanischen Ventilation sowie flankierender Maßnahmen wie z.B. Lagerungstherapie keine adäquate Oxygenierung erzielt werden kann. Die häufigste Ursache eines solchen akuten Lungenversagen ist in ca. der Hälfte der Fälle die Pneumonie, gefolgt von schwerer Sepsis nicht-pulmonalen Ursprungs. Andere Ursachen sind das schwere Trauma, Aspiration, transfusionsassoziierte Lungenschädigungen (TRALI), Drogenmissbrauch und die Pankreatitis.

Voraussetzungen für den Einsatz der ECMO ist eine prinzipielle Reversibilität der Gunderkrankung. Zudem sollten keine Begleitumstände vorliegen, die die Prognose des Patienten relevant limitieren, wie z.B. eine Tumorerkrankung im Finalstadium, ein unklarer neurologischer Status nach Reanimation oder ein manifestes Multiorganversagen.

 

Vorteile der ECMO-Therapie

Patienten mit schweren Verlaufsformen eines ARDS profitieren in zweierlei Hinsicht von der extrakorporalen, lungenunabhängigen Oxygenierung: Zum einen erreichen paO2 und paCO2 bereits innerhalb weniger Minuten nach Therapiebeginn physiologische Werte, was häufig eine direkte Stabilisierung anderer Organsysteme, insbesondere des Kreislaufes, nach sich zieht. Zum anderen kann die in der Regel maximal ausgeschöpfte Invasivität der maschinellen Beatmung auf ein Minimum reduziert werden, da Oxygenierung und Dekarboxylierung lungenunabhängig erfolgen. Dieser Aspekt stellt den eigentlichen kurativen Ansatz dar, da die dauerhafte Beatmung mit hohen Drücken eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Aggravierung eines ARDS spielt. Im Normalfall werden Patienten unter ECMO-Therapie lediglich mit einem moderaten PEEP und minimalen Atemzugvolumina (1-2 ml/kg) zur Vermeidung von Atelektasen beatmet.

 

Verlegung von Patienten mit ARDS in das Göttinger ECMO-Zentrum

Wenn ARDS-Patienten trotz Ausschöpfung der mechanischen Ventilation eine kritische Hypoxämie oder Hyperkapnie entwickeln, können Sie jederzeit Kontakt mit unserem ECMO-Zentrum aufnehmen, das Sie rund um die Uhr unter der Telefon-Nummer 0551 - 39 22230 erreichen. Unsere ARDS-Experten besprechen den individuellen Fall mit Ihnen, prüfen mögliche Optionen bei der Optimierung der Beatmung, und stellen gegebenenfalls die Indikation zur ECMO-Therapie.

Da bei gegebener ECMO-Indikation die kritisch eingeschränkte pulmonale Situation einen Transport unter konventioneller Beatmung in der Regel nicht mehr erlaubt, kommt unser Team in diesen Fällen mit einer mobilen ECMO in Ihr Krankenhaus und beginnt die Therapie bereits vor Ort, so dass die Patienten auf dem Transport effektiv über die ECMO oxygeniert werden. Das Team bringt alle notwendigen Materialien für die Implantation der ECMO mit, und benötigt keinerlei materielle oder personelle Ressourcen in Ihrer Klinik. Die Vorlaufzeit von ca. 90 Minuten bis zur Abfahrt (bzw. zum Abflug) in Göttingen sollte bei der Kontaktaufnahme berücksichtigt werden.

 

ARDS-Netzwerk

Die Klinik für Aästhesie ist mir ihrem ECMO-Zentrum Mitglied des nationalen ARDS Netzwerks und beteiligt sich aktiv an den Forschungsprojekten und Aktivitäten.
 

Prof. M. Quintel
Prof. Dr. med. M. Quintel
Direktor der Klinik für Anästhesiologie
 
  Dr. Perl PD Dr. Mörer Dr. Heise    
Dr. J. Schäper, DESA, EDIC PD Dr. T. Perl Prof. Dr. O. Mörer PD Dr. D. Heise  Dr. med. L-O. Harnisch F. Mosbach

Beteiligte Abteilungen