Physiotherapie

  

Schmerz und Physiotherapie

Dagmar Seeger
Physiotherapeutin
Holger Braun
Physiotherapeut

In der schmerzbezogenen Physiotherapie hat sich in den vergangenen Jahren ein Wandel vollzogen. Wo vor 25 Jahren noch Massagen und Ruhe verordnet wurden, sind die modernen Konzepte bei Schmerzen am Haltungs- und Bewegungsapparat vorwiegend durch Veränderung von Verhalten, Haltungs- und Bewegungsmustern im Sinne der Verbesserung der Belastbarkeit gekennzeichnet. Internationale Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Bewegung und Aktivität wirkungsvollere Therapieansätze sind als Ruhe und Schonung. So ist die Herangehensweise der Schmerztherapie von aktiven Maßnahmen und Training mehr geprägt als von vorwiegend passiven Techniken, bei denen der Patient selbst nichts tut. Allerdings gibt es Ausnahmen (Differenzierung von klar abgrenzbaren Funktionsstörungen, sehr stark verminderte Belastbarkeit, starke Verhärtung der Muskulatur) und manchmal die Notwendigkeit zu Kompromissen, Kombinationen und Reaktionen auf die jeweilige Entwicklung des Patienten. Hier sind passive Maßnahmen, lösende Techniken der Beginn der Therapie und die Vorbereitung oder Begleitung für aktive Maßnahmen und den Transfer in den Alltag bis hin zu sportlichen Aktivitäten Im subakuten Stadium einer Störung von Bewegung unterscheidet sich unser Ansatz von dem Vorgehen im chronischen Stadium einer Funktionsstörung. Außerdem muss berücksichtigt werden, welche Auswirkungen eine Störung auf das Leben eines Menschen bereits bewirkt hat. 

 

Je komplexer die Auswirkung, desto komplexer die Therapie

In der Schmerztherapie ist Physiotherapie bei chronischen Schmerzen mit psychosozialen Beeinträchtigungen ein Baustein unseres interdisziplinären Therapieprogramms. Bei weniger komplexen Störungen oder subakuten Schmerzen kann Physiotherapie mit speziellen Techniken auch allein - ohne interdisziplinäre Schmerztherapie - wirksam sein. Bei einfachen Funktionsstörungen, z. B. einer „Blockade“ eines Wirbelsäulensegments, funktioniert eine kurze Serie manueller Therapien rasch und einfach. Dies sind die Grundlagen des aktuell geltenden Heilmittelkatalogs, in dem diese „einfachen“ Störungen als Regelfälle abgebildet sind. Physiotherapie kann auch bei vegetativen Funktionsstörungen wie den Stress-Symptomen Bluthochdruck und „vegetativer Dystonie“ indiziert sein. Auch das sogenannte CRPS (früher: „Morbus Sudeck“) und Durchblutungsstörungen können von Physiotherapie profitieren. 

Behandlungsbeispiele

  • bei Stress:  Zentral entspannende Maßnahmen in der Kombination mit Aktivität (Herz-Kreislauftraining (z.B. Joggen, rhythmische Gymnastik, Muskelausdauertraining).

  • bei „vegetativer Dystonie“:  Zentral entspannende Maßnahmen in der Kombination mit Wasseranwendungen (Güsse, Wechselduschen).

  • bei CRPS, „Morbus Sudeck“:  Zentral entspannende Maßnahmen in der Kombination mit der Schulung von Bewegung auf der gegenüberliegenden (nicht erkrankten) Seite. Einsatz der sog. „Spiegeltherapie“ bis zur Wiederherstellung der Funktion auf der betroffenen Seite.

Hier ergänzen sich die Maßnahmen der Physiotherapie mit aktivierenden Techniken und Körperwahrnehmungsschulung mit den Techniken der Ergotherapie, die gezielte Funktionen des Alltags wiederzuherstellen hilft. Ziel der Physiotherapie ist immer die Harmonisierung von Be- und Entlastung sowie Belastbarkeit und Erholungsfähigkeit für die Alltagstauglichkeit von Körper, Geist und Seele mit den zum Ziel führend erforderlichen Maßnahmen. Somit ist es sinnvoll, besonders nach längerer Krankheit, einen differenzierten Funktionsstatus sowie einen Belastungstest zu erheben und ein genaues individuelles Gesundheitsziel mit dem Patienten gemeinsam zu erarbeiten. 

 

Prävention

Um die Leistungsfähigkeit im Leben eines berufstätigen Menschen zu erhalten, bieten wir präventive Maßnahmen für die Mitarbeiter der UMG an, die auf den Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen der modernen Schmerztherapie basieren.

 

Kontakt und weitere Informationen

Die nachfolgende Auflistung beinhaltet einen Auszug aus dem breiten Leistungsspektrum der Physiotherapie unserer Schmerz-Tagesklinik und-Ambulanz an der UMG in enger Zusammenarbeit mit der Betriebseinheit Physiotherapie. Nachfragen und Anmeldungen über:

 

Dagmar Seeger
Tel: 0551-39-4089
E-Mail  Per E-Mail kontaktieren

  

Therapieangebote

Aktivierende Techniken

  • Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) (I. Berlin und M. Knott)

  • Lokale Stabilisation HWS und LWS nach Richardson und Hamilton

  • Ganganalyse (K. Götz-Neumann nach J. Perry)

  • Medizinische Trainingstherapie

    1. KG am Gerät (max. 3 Pat. Pro Gruppe) Dienstags 12-13.00 Uhr

    2. MAT-Gruppen, offene Gruppen mit Gerät Freitags 9-10.30 Uhr

    3. MAT-Gruppen, offene Gruppen ohne Gerät Dienstags 17-18.30

  • Gruppenprogramme

  • Koordination, Gleichgewicht, Muskelaufbau, Dehnungen, Entspannungsverfahren

  • HWS-Gruppe für Patienten mit Nackenschmerzen; Dienstags und donnerstags 9-10.00 Uhr; Siehe Flyer

 Mobilisierende Techniken

  • Manuelle Therapie

  • Neurale Mobilisation nach Butler

  • Manuelle Therapie bei craniomandibulärer Dysfunktion

Entspannende Techniken und Schulung des Körperbewusstseins und Tonusregulation

  • Atem- und Lösungstherapie nach Schaarschuch-Haase

  • Fußreflexzonenmassage

  • Akupressur (Jin shin do)

  • Imgaginative (hypnotische) Techniken

 Reintegration in den Alltag und Rehabilitation

  • Interdisziplinäre Schmerz-Tagesklinik

  • HWS-Heimprogramm

 

Behandlung spezieller Krankheitsbilder

  • Beratung und Behandlung nach HWS-Schleudertrauma

  • Behandlung von Patienten mit Schmerzen am Haltungs- und Bewegungsapparat

  • Interdisziplinäre Therapie bei chronischen Schmerzen

  • Multimodale Therapie bei chronischen Schmerzen an Nacken und HWS; siehe Flyer

  • Funktionsstörungen der Wirbelsäule

  • Rehabilitation von Patienten nach OP an der Wirbelsäule

  • Dekonditionierungssyndrom

  • Kopfschmerzen

  • Schwindel

  • Hildesheimer Gesundheitstraining

    1. bei orthopädischen Erkrankungen(z.B. Rückenschmerzen)

    2. bei Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck präventiv

 

Prävention

  • Betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitsplatzberatung

  • Gesundheitskurse der Personalentwicklung der Universitätsmedizin
     

  • Hildesheimer Gesundheitstraining

  • Individuelle Gesundheitsleistungen (IgeL)

  • Medizinisches Aufbautraining

  • Arbeitsplatzberatung

  • HWS-Heimprogramm

  • Persönliche Gesundheitsberatung

  • Entspannungskurse: Donnerstags 13.30-14.00 Uhr

 

 

Öffentliche Dateien: